Age is just a number? Interview mit Prof. Dr. Kleine-Gunk

Age is just a number? Interview mit Prof. Dr. Kleine-Gunk

Warum wir das Altern selbst in der Hand haben, wie man sein biologisches Alter senken kann und was das mit einer reineren Haut zu tun haben kann? Im Interview verrät uns Prof. Dr. Bernd Kleine-Gunk, wie man möglichst lange jung bleibt und warum man sich von falschen Jugendidealen verabschieden sollte.

Herr Prof. Dr. Kleine-Gunk: wie sagt man so schön "Age is just a Number" – Was lässt uns wirklich altern?

Altern spielt sich auf molekularer Ebene ab. Dieses Wissen ist wichtig, um Therapien zu entwickeln. Die Faktoren für das Altern hat man mittlerweile entschlüsselt.

Dazu zählen vor allem oxidativer Stress, chronische Entzündungs- sowie Verzuckerungsprozesse und das Nachlassen der Mitochondrien. Konkret bedeutet das, dass Rauchen, Übergewicht – insbesondere Bauchfett – und Stress den Alterungsprozess unnötig beschleunigen.

Biologisches Alter senken – Wie geht das und was bewirkt es?

Wenn ich die Faktoren identifiziert habe, die mich altern lassen, kann ich etwas dagegen tun. Insbesondere durch die Ernährung lassen sich viele Prozesse im Körper beeinflussen. Viszerales Bauchfett führt zu einer „silent inflamation“, also einer chronischen Entzündung im Körper. Mit Omega 3 Fettsäuren kann man hier gegensteuern. Auch Zucker ist ein Altmacher. Die sogenannte Glykierung führt zu einer Versteifung von Proteinen. Eine gesunde Ernährung hält also unsere Proteine jung. Und neben der Ernährung spielt natürlich Bewegung eine große Rolle. Durch sportliche Betätigung werden neue Mitochondrien gebildet, das macht den Körper wieder fit.

Was unterscheidet eine junge von einer reifen Haut? Sieht man uns unser Alter an?

Die Haut hat das Problem, dass sie exogenen und endogenen Einflüssen unterliegt. Von außen kann sie durch Sonnenlicht geschädigt werden, von innen beispielsweise durch einen Hormonmangel. Oft macht die Haut einen Alterungsschub während oder nach den Wechseljahren durch. Östrogenmangel spielt durch verschiedene Faktoren eine Rolle: Haut wird dünner und trockener. Natives Hyaluron wird durch Östrogen beeinflusst. Außerdem hat Östrogen einen Einfluss auf das Bindegewebe. Das wird mit dem Hormon besser durchblutet und wirkt rosiger. Im Falle eines Mangels kann man mit Hormonkosmetik, die das fehlende Östrogen ausgleicht, ein Gegengewicht setzen.

Man sieht uns unter Umständen also unser Alter an, selbst wenn wir vieles richtig machen.

Welche Altersanzeichen kann ich selbst beeinflussen?

Das eine ist Schönheit, wichtiger ist aber, dass der Körper durch einen entsprechenden Lebensstil auch gesünder wird. Man spricht dann davon, dass Lifespan und Healthspan Hand in Hand gehen. Das bedeutet, dass die Lebenszeit gleich der Zeit ist, die man gesund ist. Dennoch sind viele optische Alterserscheinungen zugleich Anzeichen für Alterungsprozesse im Körper auf molekularer Ebene.

Altern bedeutet, dass sich molekularer Müll ansammelt. Das funktioniert so gut wie eine Messie Wohnung, nämlich gar nicht. Altersflecke zum Beispiel, sind nichts anderes als molekularer Müll. Sie sind nicht im eigentlichen Sinne gefährlich, aber ihr Auftreten bedeutet, dass der Körper nicht mehr mit dem Müll in den Zellen klarkommt und ihn deshalb einlagert. Durch Autophagie wird der molekulare Müll abgebaut. Besonders Fasten regt die Autophagie und damit die Zellreinigung an. Was man also tun kann? Ganz einfach fasten. Von der Bäckerhefe bis zum Primaten: Weniger essen heißt länger leben. Das ist das beste Mittel im Anti-Aging-Bereich.

Kann ich Falten also einfach „wegfasten“?

Nein, das wäre ein falsches Versprechen. Wenn man früh genug anfängt, kann man eventuell Ursachen für Alterungsprozesse vermeiden. Bereits sichtbare Sonnenschäden werden aber auch durch fasten nicht rückgängig zu machen sein.

Welchen Einfluss haben psychische Faktoren auf den Alterungsprozess?

Dazu gib es eine gute Studienlage: Die Art und Weise wie ich dem Altern gegenüberstehe, hat Einfluss auf meinen Alterungsprozess. Wenn ich mich auf die ersten Falten fixiere, kommen immer mehr. Das Konzept, das ich vom Altern habe, ist entscheidend. Positives Denken kann uns länger gesund und jung halten. Dem gegenüber steht das gesellschaftliche Bild von altern als kontinuierlicher Degeneration. Das stimmt so nicht. Kognitive und soziale Fähigkeiten entwickeln sich im Alter eher weiter. Es wird eben nicht alles schlechter.

Was bedeutet für Sie „in Würde altern“?

Sicherlich nicht das, was die meisten darunter verstehen. Man muss sich mit vielem nicht abfinden. Wie ich altere, kann ich beeinflussen. Das heißt aber nicht, dass man falschen Jugendidealen hinterherlaufen muss. Für mich bedeutet in Würde zu altern, dass ich akzeptiere, dass ich älter werde, und dennoch etwas dafür tue, dass ich im Kopf jung und gesund bleibe.


Prof. Dr. Kleine-Gunk ist leitender Arzt der Gynäkologie der Schön Klinik Nürnberg Fürth, Arzt für Ernährungsmedizin und Präsident der German Society of Anti-Aging Medicine (GSAAM). Als Buchautor hat er unter anderem Abnehmen mit Sirtfood: Gesünder essen und besser leben mit dem Schutzenzym Sirtuin, „Das Frauen-Hormone-Buch“, „Resveratrol – Länger jung mit der Rotwein-Medizin“ und „15 Jahre länger leben" verfasst und gilt als der Anti-Aging Experte Deutschlands.


Wir bedanken uns bei Prof. Dr. Kleine-Gunk für das spannende Interview. Einen weiteren Experten-Talks mit Prof. Dr. Kleine-Gunk zum Thema Anti Aging findest du hier.

 

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